02.12.2009: Studie zeigt, Dortmund hat ein Problem mit Rechtextremismus
Wer es bis jetzt immer noch nicht glauben wollte, der hat es nun
schwarz auf weiß: Dortmund hat ein Problem mit Rechtsextremismus wie
sonst nur noch Berlin. Darauf haben wir und viele andere seit langer
Zeit hingewiesen und das auch aufgezeigt. Jetzt wird es uns durch die
Studie auch von außen bestätigt. Und das Problem ist kein theoretisches,
sondern ein sehr reales. Das zeigt der Wegzug der Familie Engelhard aus
Dorstfeld nach den alltäglichen Provokationen und Angriffen von
Neonazis.
Die Hoffnungen nach der Pressekonferenz des
Oberbürgermeisters und den Fraktionsvorsitzenden vor Ort vor einigen
Wochen haben sich nicht erfüllt. Wir brauchen deshalb jetzt eine noch
klarere Botschaft: Wer glaubt, man kann in Dortmund mit rechtem Terror
eine Familie einschüchtern, ohne dass das Folgen hat, der irrt. Das ist
eine Aufgabe der gesamten Stadt, aller gesellschaftlichen Gruppen und
letztendlich auch jedes Einzelnen.
Dabei muss aber auch klar
sein: Wer sich gegen Nazis wehrt, der darf nicht alleine stehen. Er ist
Teil der großen Mehrheit der Menschen unserer Stadt. Und er braucht
endlich einen wirksamen Schutz auch durch die Polizei. Es ist nicht
länger hinnehmbar, dass die Polizei bei vielen Straftaten einen
politischen Hintergrund verneint, obwohl viele der Täter erkennbar der
rechten Szene angehören.
Die Neonazis versuchen seit einiger
Zeit, sich gerade in Dorstfeld gezielt und konzentriert in bestimmten
Straßen und Stadtteilen anzusiedeln. Sie versuchen bewusst, vor Ort in
Vereinen und vorhandenen Strukturen Fuß zu fassen. Sie versuchen ihre
Anwesenheit und ihre Aktionen zur Normalität werden zu lassen.
Rechtsextremismus darf aber nicht zur Normalität werden. Da ist der
gesamte Stadtbezirk gefordert, diesen Versuchen entgegen zu treten. Die
Bezirksvertretung wird deshalb den Kampf gegen Rechts zu einem
Schwerpunkt der nächsten Monate machen. Wir werden Gespräche mit den
Wohnungsunternehmen führen, um die Ansiedlung von Neonazis zu
verhindern. In Dorstfeld wird der Runde Tisch intensiv konkrete
Maßnahmen entwickeln. Professor Heitmeyer hat recht: Es gibt keine
einfachen Lösungen. Dortmund braucht einen langen Atem zur Bekämpfung
des Rechtsextremismus. Deshalb müssen wir jetzt gemeinsam tief Luft
holen.
Die GRÜNEN begrüßen, dass durch die Studie der Uni
Bielefeld die Stadt das Problem nicht verschweigt, sondern offensiv
angeht. Die Studie alleine reicht aber nicht aus. Wir haben vor zwei
Jahren aus guten Gründen die Erarbeitung eines konkreten Aktionsplans
gegen Rechts beantragt. Die nun vorliegende Studie ist die Grundlage
dafür. Sie muss nun schnellstmöglich mit konkreten Handlungsvorschlägen
unterfüttert werden, um die Maßnahmen zu ergänzen und zu erweitern, die
wir bereits im Vorgriff der Studie mit mehr als 100.000 Euro unterstützt
haben. Hier muss man sich genau ansehen, welche konkreten Vorschläge
von den ExpertInnen aus Bielefeld schon erarbeitet wurden, die aus gutem
Grund zunächst intern disku-tiert werden müssen. Die FDP wollte
übrigens in der letzten Woche die Mittel des Aktionsplans noch drastisch
kürzen. Wir werden uns stattdessen bei den anstehenden Beratungen zum
Haushalt 2010 trotz aller finanziellen Schwierigkeiten dafür einsetzen,
dass die Mittel für den Aktionsplan und die Koordinierungsstelle für
Vielfalt, Toleranz und Demokratie erhalten bleiben, um die Strukturen
und Aktivitäten gegen Rechts effizient vernetzen, unterstützen und
zielgerichtet ausbauen zu können. Das ist das Gebot der Stunde.
Hinweis:
Eine Kurzfassung der Studie finden Sie unter nachfolgenden Link.